23. April 2020 / Jutta / n/a

Ankunft in Brindisi

       

Bis in den Hafen von Brindisi reichte der Wind und erst die letzten Meter mussten wir die Maschinen anwerfen. Jedoch hat das Regenwetter von gestern angehalten – wir fühlen uns fast wie zuhause: 10 Grad und mal mehr und mal weniger Regen. Bei Manövern in der Nacht und dann beim Anlegen frieren fast die Finger ein. Wir haben zum Glück unsere Heizung, ich weiß, ich wiederhole mich, aber wenn ich Eric so am Abend anschau, als er zu uns zum Abendessen kommt: er hat fast alles an Klamotten an, was er an Bord hat. Und zum Schlafen hat er nur seine Leintücher. Er freut sich über unser Angebot eine Bettdecke mitzunehmen. Die Wetteraussichten sind zumindest gut, ab morgen soll die Sonne scheinen und es deutlich wärmer sein.

Mit der Marina hatten wir bereits im Vorfeld kommuniziert und unser Kommen angekündigt. Die Polizei war dann nicht so erfreut über unser Kommen. Was unsere „Motivation“ ist unser Schiff zu bewegen? Jeder, der sich in Italien zu Zeiten des Lockdowns wegen Corona bewegt braucht eine „Motivation“. Dass wir Herbert loswerden wollen ist ein Teil unserer Motivation. Die hat der Polizist auch verstanden, aber warum wir hier im Hafen liegen wollen? Er dürfe auch von seiner Dienstwohnung hier nicht nach Hause zu seiner Familie. Hansis Argument, dass seine Dienstwohnung sicher auch Wasser und Strom hätte und er das für seine Familie auch gerne hätte, zog dann. Normalerweise interessiert sich ja niemand innerhalb der EU woher ein Schiff kommt und die „Sanitary Control“ kennt man auch nicht. Jetzt müssen die jedoch tätig werden. Um unsere „Free circulation“ zu beantragen müssen wir ein Formular dorthin mailen. Die Daten der letzten 10 Häfen und auch die Frage „Has any person died on board during the voyage otherwise than as a result of accident?“

Hier kann Herbert nun endlich seinen Heimflug buchen. Der einzige Herr, der hier Englisch spricht, rät Herbert erst am Dienstag zu fliegen. Am Samstag ist Feiertag in Italien „Tag der Befreiung Italiens“, da könne er sich gut vorstellen, dass die Flüge annulliert werden. Normalerweise fliegt ja mehrmals täglich eine Maschine nach Rom und weiter nach München. Im Moment kann man froh sein, wenn es an einem Tag eine Verbindung von Bari bis nach München gibt. Am Dienstag also wird Herberts Odyssee endlich zu Ende sein.

Von der Marina bekommen wir die Telefonnummer eines Supermarktes in der Nähe. Leider geht niemand ans Telefon, wegen mangelndem Umsatz seien die oft nicht da. Mist. Ich hatte gehofft endlich mal wieder eine Butter kaufen zu können. Das was wir die letzten Wochen bekamen, wenn wir Butter wollten, war eine Mischung aus Butter und Margarine. Die letzte Butter war die in den Maldiven, die aus Deutschland kam. Lena hat morgen ihren zweiten Geburtstag und für die obligatorische Bananenrollade brauchen wir Butter und Bananen. Zum Glück weiß Lena eh noch nicht was es heißt Geburtstag zu haben, dann verschieben wir den Kuchen um einen Tag.

Aber die Bestellung von Pizza funktioniert perfekt. Zunächst ging auch niemand ans Telefon, aber über Facebook wurde man auf eine Bestellseite weitergeleitet und konnte die Pizza auf eine bestimmte Uhrzeit vorbestellen. Hat richtig gut geschmeckt – eine richtige italienische Pizza!

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